| Home / Allgemeine Pathologie u. Pathologische Anatomie / A. Knochen Inhalt / VIII. Tumoren u. tumorartige Veränderungen -5. -6. -7. -8. -9 |
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Der häufigste maligne Tumor im Knochen ist das Plasmozytom, das aber als hämatologische Neoplasie im Kapitel Blut und blutbildende Organe besprochen wird (s. Kap. 8).
Das Ewing-Sarkom ist ein relativ häufiger, undifferenzierter kleinzelliger Tumor, der seinen Ausgang von undifferenzierten retikuloendothelialen oder undifferenzierten myeloischen Stammzellen nimmt. Er kommt überwiegend bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor (10. bis 25. Lebensjahr). Das Ewing-Sarkom kann in allen Knochen lokalisiert sein, häufig in den Extremitäten, besonders in den Diaphysen, aber auch in den bindegewebigen platten Knochen. Es besteht aus zytoplasmaarmen, kleinen, dicht gelagerten Zellen mit hyperchromatischen Kernen und einem kaum sichtbaren, hellen Zytoplasma ohne erkennbare Zellgrenzen. Der Tumor bereitet große Schwierigkeiten bei der Abgrenzung gegenüber malignen Lymphomen, Neuroblastomen oder anderen kleinzelligen undifferenzierten Tumoren. Charakteristisch und differentialdiagnostisch verwertbar ist der Nachweis PAS - positiver, intrazellulärer Granula und das weitgehende Fehlen von interstitiellen Retikulinfasern. Da neben den Markräumen und der Spongiosa meist auch die Kortikalis infiltriert ist, tritt oft eine röntgenologisch charakteristische, zwiebelschalenartige Periostreaktion auf. Häufig wird eine ausgedehnte Infiltration des angrenzenden Weichgewebes und eine relativ frühzeitige hämatogene und lymphogene Metastasierung beobachtet. Klinisch bestehen dabei charakteristische Schmerzen, Fieber und eine Erhöhung der Blutsenkungsgeschwindigkeit. Vor der Zytostatika - Ära war die Prognose des Ewing-Sarkoms sehr schlecht. Durch eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie sind die Überlebenszeiten und die Heilungschancen erheblich gestiegen.
Das primäre Retikulumzellsarkom des Knochens (das sich morphologisch durch den Retikulinfasergehalt vom Ewing-Sarkom unterscheidet) entspricht einem primären malignen Lymphom des Knochens und wird ebenso wie das eosinophile Granulom und die Histiocytosis X im Rahmen der malignen Lymphome und der hämatologischen Systemerkrankungen besprochen (s. Kap. 8).
| (Abbildung 20) Abb. 19.20. Riesenzelltumor. Typische Lokalisation in der Tibiaepiphyse mit zystisch untergliedertem, bräunlich hämorrhagischem Tumorgewebe |
6. Der Riesenzelltumor
Der Riesenzelltumor des Knochens
(Abb. 19.20
)
ist ein Tumor unklarer histogenetischer Herkunft und meist unklarer Dignität. Wahrscheinlich leitet er sich vom undifferenzierten knochenbildenden Mesenchym ab. Er besteht aus fibroblasten- oder histiozytenähnlichen Stromazellen und zahlreichen mehrkernigen Riesenzellen, die gleichmäßig über den Tumor verteilt sind, wesentlich größer als normale osteoklastäre Riesenzellen sind und meist über 20 (bis zu 200) Zellkerne besitzen
(Abb. 19.21
).
Diese Riesenzellen sind zwar namensgebend, aber für die Prognose und das biologische Verhalten des Tumors nicht entscheidend. Sie leiten sich wahrscheinlich von fusionierten monohistiozytären Zellen ab. Dagegen wird der Grad der Kernatypien und die Mitoserate der Stromazellen von manchen Autoren als prognostischer Parameter und für eine zytologische Graduierung des Riesenzelltumors verwendet.
Der Riesenzelltumor rezidiviert häufig und stellt einen Tumor mit zumindest geringer maligner Potenz dar, der lokal aggressiv und invasiv wachsen, aber auch metastasieren kann. Bevorzugte Lokalisationsorte sind die Epiphysen der langen Röhrenknochen
(Abb. 19.20
), insbesondere der unteren Extremität; meist sind ältere Jugendliche und Erwachsene betroffen. Das biologische Verhalten der Riesenzelltumoren ist aus dem histomorphologischen Bild alleine nicht abzuschätzen. Bei maligner Entartung können sich reine Osteo- und Fibrosarkome entwickeln und die Riesenzellkomponente stark in den Hintergrund treten. Die histologische Abgrenzung von anderen riesenzellreichen tumorartigen Läsionen, wie z.B. dem reparativen Riesenzellgranulom, dem braunen Tumor bei Hyperparathyreoidismus, riesenzellreichen Fibromen und der aneurysmatischen Knochenzyste kann gelegentlich Schwierigkeiten bereiten.
| (Abbildung 21) Abb. 19.21. Histologischer Aspekt eines benignen Riesenzelltumors mit undifferenzierten mesenchymalen Stromazellen und zahlreichen, gleichmäßig angeordneten Riesenzellen, die meist zwischen 20 und 50 Kernen enthalten |
Das Chordom ist ein potentiell maligner Tumor. der von Resten der Chorda dorsalis ausgeht (s. Kap. 5, S. 286, Abb. 5.34). Er ist fast ausschließlich im Bereich der Schädelbasis oder des Os sacrum lokalisiert und tritt überwiegend im mittleren Lebensalter auf. Er wächst meist langsam, lokal aggressiv und infiltrativ, kann zu ausgedehnter Knochenzerstörung führen, rezidivieren und in etwa 5-10% metastasieren. Histologisch besteht er aus undifferenzierten, pflanzenzellartigen, hellen, epithelial anmuten-den Zellverbänden mit reichlich mukoider und chondroider Matrix, weshalb er gelegentlich mit Chondrosarkomen oder auch schleimbildenden Karzinomen verwechselt wird.
8. Seltenere primäre Knochentumoren
Wie eingangs erwähnt, können alle extraskelettalen Weichteilsarkome primär im Knochen auftreten. So kommen seltener auch Angiosarkome, Leio- und Rhabdomyosarkome, synoviale Sarkome, neurogene Sarkome, Liposarkome und maligne Mesenchymome im Knochen vor.
Als Adamantinom der langen Röhrenknochen wird ein sehr seltener Tumor bezeichnet, der meist in der Tibia lokalisiert ist und histologisch dem odontogenen Adamantinom entspricht (vgl. Kap. 11), der sich jedoch wahrscheinlich von undifferenzierten Angioblasten ableitet.
9. Knochenmetastasen
Hämatogen entstandene Knochenmetastasen sind bei Karzinomen häufig, nicht selten das erste klinische Symptom eines Geschwulstleidens und wegen der röntgenologischen Darstellbarkeit klinisch besonders bedeutsam.
Gelangen bei hämatogener Karzinomzellaussaat zur Metastasenbildung befähigte Tumorzellen in das Knochenmark, so können mit Haftung an der Gefäßwand, Durchtritt durch die Gefäßwand und Zellproliferation so wie bei jeder hämatogenen Metastasenbildung (vgl. Kap. 5) zuerst Mikro- und später Makrometastasen entstehen. Diese im Mark entstandenen Metastasen können am umgebenden Knochen zwei verschiedenartige Reaktionen auslösen:
1. Es kann ein Abbau von Knochen auftreten, so daß osteolytische bzw. osteoklastische Metastasen entstehen. Der Knochenabbau erfolgt dabei meist über eine von den Tumorzellen der Metastase ausgehende Stimulierung der Osteoklasten, nur in seltenen Fallen erfolgt der Knochenabbau durch die destruierende Wirkung der Tumorzellen selbst.
2. Durch die im Knochenmark entwickelten Metastasen kann eine Neubildung von Knochen induziert werden, es entstehen osteoblastische Metastasen. Die Neubildung des Knochens erfolgt nicht durch die Tumorzellen selbst, sondern durch eine Stimulation der Fibroblasten und Osteoblasten, gelegentlich kann eine Knochenneubildung auch durch Tumornekrosen oder Mikrofrakturen ausgelöst werden.
Zwischen diesen beiden Formen von Knochenmetastasen und den jeweiligen Primärtumoren bestehen Beziehungen: Osteoblastische Metastasen finden sich vor allem bei Prostatakarzinomen und bei einem Teil der Mammakarzinome: überwiegend osteoklastische Metastasen sind bei Schilddrüsenkarzinomen und Nierenkarzinomen feststellbar. Bei Bronchialkarzinomen und Magenkarzinomen können sowohl osteoklastische als auch osteoblastische Metastasen z.T. nebeneinander beobachtet werden.
Deutliche Unterschiede bestehen in der Häufigkeit von Metastasen bei verschiedenen Primärtumoren. Besonders häufig sind Knochenmetastasen bei Prostatakarzinomen und einem Teil der Mammakarzinome, nämlich den infiltrierend wachsenden lobulären Karzinomen. Bei dem diffusen Typ der Magenkarzinome sind Knochenmetastasen wesentlich häufiger als beim intestinalen. Bei diesen Karzinomen sind die Skelettmetastasen nicht selten auch der erste Ort der hämatogenen Metastasierung. Es wird vermutet, daß vor allem für die Prostatakarzinome und einen Teil der Mammakarzinome der primäre Tumorzelleinbruch in Gefäße erfolgt, die eine Verschleppung und einen Entstehungsweg der Knochenmetastasen über das vertebrale Venensystem ermöglichen. Die häufigen Knochenmetastasen beim Lungenkarzinom entstehen aus der Tumorzellverschleppung über die Lungenvenen in den großen Kreislauf, bei den meisten anderen Primärtumoren erfolgt die hämatogene Aussaat in den Knochen nach einer vorher entstandenen Lungenmetastasierung. Besonders betroffen sind alle Skeletteile, die beim Erwachsenen wegen der Blutbildung eine stärkere Blutversorgung des Knochenmarks aufweisen (Wirbelsäule, Becken, Rippen u.a.).
| (Abbildung 22) Abb. 19.22. Osteoblastische Knochenmetastasen in der Lendenwirbelsäule bei Prostatakarzinom: Neben grauweißem Karzinomgewebe sklerosierter, eburnisierter Knochen. Daneben zahlreiche (gelbe) Knochennekrosen und Infarkte mit hämorrhagischem Randsaum |
Folge einer ausgedehnten Metastasierung in das Knochensystem kann die Verdrängung des Knochenmarks mit aplastischer Anämie sein. Lokale Folgen sind Knochennekrosen
(Abb. 19.22
) und bei osteolytischen Knochenmetastasen Spontanfrakturen. Führt die Knochenzerstörung bei Metastasen im Wirbelsäulenbereich zur Beteiligung von Nachbarorganen, so können neurologische Ausfälle durch Kompression der Nervenwurzeln oder des Rückenmarks auftreten. Bei ausgedehnter Knochenmetastasierung mit osteolytischen Metastasen kann ein Hyperkalzämiesyndrom entstehen, das von dem Hyperkalzämiesyndrom ohne Skelettmetastasen als paraneoplastischem Syndrom abgegrenzt werden muß (vgl. Kap. 5).
| mailto: Thomas Fixemer 11.08.2000 |