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VI.
Ostitis (Osteodystrophia) deformans Paget Die Osteodystrophia deformans Paget ist eine hyperostotische, mono- oder polyostotische Osteopathie des höheren Lebensalters. Sie wurde vom Erstbeschreiber Sir James Paget (1877) primär als entzündliche Erkrankung des Knochens aufgefaßt, obwohl bisher nie Erreger nachgewiesen werden konnten. In jüngster Zeit wird aufgrund parakristalliner Einschlüsse in Osteoklasten eine virale entzündliche Genese des M. Paget diskutiert. Epidemiologisch finden sich deutliche geographische Unterschiede in der Häufigkeit der Erkrankung: das männliche Geschlecht ist bevorzugt befallen. Die Erkrankung beginnt chronisch, meist jenseits des 50. Lebensjahres. Makroskopisch findet sich eine Verdickung und Verbiegung der langen Röhrenknochen (besonders Femur und Tibia), der Beckenknochen, der Wirbelsäule, aber auch der Schädelkalotte
( Abb. 19.11 a: Histologisch charakteristisch ist ein erheblich gesteigerter Knochenab- und -anbau mit einer gleichzeitigen Vermehrung von sehr großen Osteoklasten und Osteoblasten. von Resorptionslakunen, Osteoid und neugebildeten Geflechtknochen mit lamellärer Ausreifung. Damit verbunden ist eine gesteigerte Durchblutung und Vaskularisation des Paget-Knochens, der szintigraphisch durch eine erhöhte Anreicherung einen Tumor vortäuschen kann. Infolge der gesteigerten, ungeordneten und nicht mehr nach statischen Prinzipien verlaufenden Umbauvorgänge finden sich zahlreiche ungerichtete Zement- und Kittlinien im sklerosierten Knochen, die zu einer charakteristischen Mosaikstruktur der verdickten Knochentrabekel führen
(Abb. 19.11 a: Nach einem Verlauf von 10 - 20 Jahren kommt es auf dem Boden der chronisch gesteigerten Proliferations- und Umbauvorgänge, möglicherweise aber auch im Zusammenhang mit der wahrscheinlichen viralen Infektion, in etwa 3 - 30% der Fälle zur malignen Entartung und zur Ausbildung eines Osteosarkoms, seltener auch eines Chondro- oder Fibrosarkoms (,‚Paget-Sarkom", zweiter Altersgipfel der Osteosarkome, s.S. 842). Aufgrund der erheblich gesteigerten Vaskularisation und Durchblutung finden sich im Paget-Knochen dieser meist älteren Patienten häufiger Metastasen anderer Malignome, insbesondere von Mamma-, Bronchus- oder Prostatakarzinomen (vgl. S. 847).
,
b:
). es sind jedoch nie alle Knochen befallen. Klinische Symptome sind Knochenschmerzen, die Beine sind verbogen und verkürzt, die Arme scheinbar zu lang, der Kopf wird zu groß (der Hut paßt nicht mehr).
(Abbildung 11) Abb. 19.11a, b. M. Paget. a Rechter Femur mit vergröberter Spongiosastruktur und hochgradiger Verdickung der
Kortikalis. b Typische Mosaikstruktur des Paget-Knochens mit zahlreichen Kittlinien (K), gesteigerter Knochenresorption durch Osteoklasten
(Ok) und gleichzeitig gesteigertem Knochenanbau durch Osteoblasten (Ob)
,
b:
). Diese Knochen sind trotz der Zunahme der Gesamtknochenmasse infolge des ungeordneten Umbaus und der mosaikartigen Zusammensetzung weniger stabil und erleiden häufig Frakturen. Man unterscheidet eine osteoporotische Frühform von einer sklerotischen Spätphase. Der makroskopische Aspekt des Paget-Knochens zeigt eine bimssteinartige Vergröberung der Spongiosastruktur, besonders in der Kortikalis, am Schädelknochen und in den Wirbelkörpern
(Abb. 19.4
). Komplikationen sind neben statisch-mechanischen Problemen in erster Linie Frakturen, auch mit Kompression der Wirbelkörper, Keilwirbelbildung und Skoliose.
mailto: Thomas
Fixemer 11.08.2000