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| * Unter Verwendung von Abbildungen aus der früheren Bearbeitung von J. Ruckes. |
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1. Diskopathie / Osteochondrosis intervertebralis |
II. Degenerative Arthropathie
a. Arthrosis deformans (engl.: "osteoarthritis") Unter Arthrosis deformans werden degenerative Gelenkerkrankungen verstanden, die mit primären Veränderungen und Defekten des Gelenkknorpels einhergehen und zu sekundären Knochenveränderungen und Gelenkdeformierungen führen können. Ätiologisch werden primäre (degenerative) Arthrosen ohne erkennbare Ursachen von sekundären Arthrosen unterschieden, die sich im Verlauf einer entzündlichen, metabolischen oder anderweitigen (z. B. traumatischen oder neurogenen) Gelenkerkrankung einstellen können. Begünstigend wirken insbesondere Fehlstellungen des Gelenkes und unphysiologische Belastungen (z.B. Coxa vara), Störungen der Blutzirkulation oder Knochennekrosen (M. Perthes, vgl. S. 823,
Abb. 19.3 Formalpathogenetisch
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), biochemische Veränderungen der Knorpelmatrix sowie hormonelle und neurogene Störungen (vgl. S. 860ff.).
(Abbildung 23) Abb. 19.23a, b. Degenerative Knorpelveränderungen bei Arthrosis
deformans,
a Schwellung und Vermehrung der Grundsubstanz;
b Knorpelzellwucherung (B sog. "Brutkapseln") sowie beginnende asbestartige Degeneration (A Faserfreilegung). HE - Färbung
).
Die Knorpeloberfläche wird infolge der veränderten Matrix unter der
Druckbelastung aufgeplittert, zeigt Einrisse und Mikrofissuren und zunehmend
Defekte. Die Elastizität des Knorpels ist infolge des Wasserverlustes stark
herabgesetzt, die veränderten Chondrozyten bilden kein knorpelspezifisches Kollagen Typ II mehr, sondern Kollagen Typ I und III.
Durch tiefergreifende Defekte und die Zerstörung des Gelenkknorpels wird der subchondrale Knochen freigelegt, der dann den belastenden Druck- und Scherkräften nicht mehr gewachsen ist, so daß es zu Knochennekrosen mit Zystenbildungen (sog. Geröllzysten) und reaktiven Knochenumbauvorgängen mit Knochen- und Knorpelneubildung kommt
(Abb. 19.24
). Diese im Bereich der lateralen Knochen-Knorpel-Grenze neugebildeten Knochenwülste werden als Randosteophyten bezeichnet. Dadurch ändern sich Druck- und Spannungszonen, es kommt zur Neuausbildung von Gelenkflächen, die sich über dem alten degenerativen Gelenkknorpel ausdehnen, zum Teil wieder verkalken und zu einer erheblichen Deformierung und Beweglichkeitseinschränkung der Gelenke führen können
(Abb. 19.24
und 19.25
).
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(Abbildung 24) Abb. 19.24a, b. Arthrosis
deformans. a Kniegelenk mit ausgedehnter Knorpelzerstörung und Randwulstbildung (links oben): unten im Bild sind auch degenerative Veränderungen der aufgefaserten Menisci erkennbar. b Hüftkopf. Neben ausgedehnten Knorpeldefekten finden sich im Randbereich ausgeprägte Exophyten (Pfeil) zu einer Verdickung der synovialen Zotten |
Sekundär treten bei der Arthrosis deformans auch reaktiv-entzündliche Veränderungen auf: Die Tunica synovialis kann stark proliferieren, die Zotten sind verdickt, hyalinisiert, zeigen entzündliche Infiltrate und enthalten häufig von den Gelenkflächen abgesprengte nekrotisehe Knochen- und Knorpelstückchen, zum Teil mit Riesenzeligranulomen vom Fremdkörpertyp (sog. Detritussynovitis). In den Synovialiszotten kann sich auch eine sekundäre Chondrometaplasie ausbilden, die verdickten und degenerierten Zotten können abreißen und als freie Gelenkkörper im Gelenk auftreten.
Am häufigsten sind Arthrosen in den großen Gelenken der unteren Extremitäten lokalisiert, die am stärksten belastet sind. Sie können jedoch prinzipiell in jedem Gelenk auftreten. auch in den kleinen Fingergelenken, hier besonders in Form sekundärer, entzündlich bedingter Arthosen (vgl. Primär chronische Polyarthritis. S. 855).
Neben der primären Arthrosis deformans und entzündlich bedingten sekundären Arthrosen finden sich arthrotisehe degenerative Gelenkknorpelveränderungen auch nach primären Stoffwechselstörungen (z.B. Hämophilie, s, S. 861, 410) und Ochronose (s. S. 861, 304), bei neurologischen Störungen (s. S. 863) und bei einseitiger oder unphysiologischer. berufsbedingter Überbelastung eines bestimmten Gelenkes.
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(Abbildung 25) Abb. 19.25a—c. Arthrosis deformans eines Wirbelgelenkes
(Spondylarthrosis deformans). a Aufsplitterung des Knochens, nekrotisches Knorpelmaterial im Gelenkspalt; b sog. Geröllzyste, ausgedehnte Knorpelzerstörung; c knorpelige Ankylose mit Verödung des Gelenkspaltes |
b. Spondylosis deformans / Spondylarthrose
Primär degenerative Erkrankungen der Wirbelkörper werden als Spondylosis deformans, die der kleinen Wirbelgelenke als Spondylarthrose bezeichnet. Häufig sind die hier auftretenden, degenerativen Veränderungen an den Gelenkflächen mit den Erkrankungen der Zwischenwirbelscheiben (Diskopathien bzw. Osteochondrosis invertebralis) vergesellschaftet
(Abb. 19.25
).
Ähnlich dem hyalinen Gelenkknorpel verlieren auch Zwischenwirbelscheiben, insbesondere der Nucleus pulposus, mit zunehmendem Alter Wasser und zeigen eine Veränderung der Proteoglykanzusammensetzung. Unphysiologische Fehl- und Überbelastungen sowie Mikrotraumen führen zusätzlich zu Schädigungen der Faserstrukturen auch im Anulus fibrosus. Treten dabei gleichzeitig Veränderungen in den knorpeligen Abschlußplatten der Wirbelkörper auf, so kann es durch die Form- und Konsistenzveränderungen zu Verlagerungen des Nucleus pulposus kommen
(Abb. 19.26
). Dabei können Einbrüche in die knöchernen Deckplatten der Wirbelkörper erfolgen, so daß Nucleus pulposus und Faserknorpelmaterial in die Spongiosa der Wirbelkörper eingepreßt werden (sog. Schmorl-Knötchen
(Abb. 19.27
). Teile des Nucleus pulposus und Anulus fibrosus können sich auch nach dorsal und ventral verlagern (Discushernie, Discusprolaps) und zur Kompression der Nervenwurzeln führen, mit entsprechenden neurologischen Symptomen und Ausfällen, aber auch mit regressiven Veränderungen. Verkalkungen und Verknöcherung. An der Wirbelsäule treten dabei reaktive Knochen- und Knorpelproliferate in Form von Randosteophyten auf, die untereinander verwachsen und zur Versteifung der Wirbelsäule (Ankylose) führen können. Die kleinen Wibelgelenke sind dabei regelmäßig im Sinne einer Arthrosis deformans mitverändert.
| (Abbildung 26) Abb. 19.26. Schematische Darstellung der Diskopathie und ihrer Folgen |
Die Spondylosis deformans kann auch ohne vorausgegangene Diskopathie im Rahmen von traumatischen oder osteoporotischen Wirbelkörperdestruktionen entstehen (s.S. 827) oder als idiopathische Arthrosis deformans auftreten.
Zivilisations- und berufsbedingte Belastungen fördern dabei die degenerativen Knorpelveränderungen, die am häufigsten in der HWS und der oberen BWS lokalisiert sind.
Die Adoleszentenkyphose (M. Scheuermann) (s. S. 824) beruht auf einer entwicklungsbedingten Wachstumsverzögerung der Wirbelkörperdeckplatten mit degenerativen Veränderungen am hyalinen Knorpel. Dadurch können ebenfalls Deckplatteneinbrüche mit Schmorl-Knötchen
(Abb. 19.27
), aber auch sekundäre degenerative Bandscheibenveränderungen auftreten, die in der Folge zur Kyphose, zur Spondylarthrose mit Randosteophyten, zu Keilwirbeln und Plattenwirbeln, im Spätstadium auch zur Ankylose führen können.
| (Abbildung 27) Abb. 19.27. Mehrere Schmorl-Knötchen, die von den Zwischenwirbelscheiben gegen die Wirbelkörper vorspringen |
2. Menisci / Meniskopathie
Unter dem Begriff der Meniskopathie werden primäre oder sekundäre degenerative und traumatische Schädigungen des Meniscus verstanden, ohne daß hier aufgrund der Morphologie auf die Ursache des Schadens geschlossen werden kann.
Klinisch hat sich folgende Einteilung der Meniscusläsionen als brauchbar erwiesen: 1. Spontanlösung. 2. Frischer Unfallriß. 3. Spätschaden nach Unfallriß. 4. Spätschaden bei Schlotterknie.
Pathologisch-anatomisch werden als degenerative Veränderungen in erster Linie die fettige Degeneration und die mukoide Degeneration beschrieben, die zur fibrillären Aufsplitterung mit Mikrofissuren, zur chondroiden Metaplasie, aber auch zu sog. Meniscusganglien führen können
(Abb. 19.30
). Degenerative Meniscusveränderungen finden sich bereits ab dem 25. Lebensjahr, mit zunehmender Häufigkeit in höheren Altersstufen. Sie sind jedoch nicht die Vorbedingung für frische traumatische Einrisse.
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(Abbildung 28) Abb. 19.28. Spondylosis deformans mit Brückenbildung zwischen den einzelnen Wirbelkörpern |
Die spontane Lösung des Meniscus kann bereits im jüngeren Lebensalter auftreten und ist die direkte Folge einer primären Degeneration, wobei mukoid-zystische und fettige Degeneration meist zusammen nachweisbar sind. Ursächlich werden neben unphysiologischen Belastungen (Parkett- und Fliesenleger, Bergwerksarbeiter) auch Diffusions- und Ernährungsstörungen der Menisci diskutiert.
Infolge der festeren knöchernen und bindegewebigen Fixation des medialen Meniscus finden sich hier traumatische Läsionen und Einrisse etwa 10mal häufiger als im lateralen Meniscus, insbesondere wenn am belasteten Kniegelenk und fixierten Unterschenkel Rotations- und Flexions- oder Extensionsbewegungen des Oberschenkels kombiniert werden. Ätiologisch stehen Sportverletzungen oder Berufsunfälle an erster Stelle:
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(Abbildung 29) Abb. 19.29. Schematische Darstellung der Gefäßversorgung der Menisci und der "typischen" Meniscusrisse Am häufigsten finden sich Längseinrisse, wie der sog. Korbhenkelriß (Abb. 19.29
), weniger häufig Längs- und Schrägrisse sowie Hinterhorn- und Vorderhornabrisse. Die abgelösten Meniscusanteile können eine akute Gelenksperre hervorrufen.
Rezidivierende Mikrotraumen oder auch größere Einrisse führen zu regressiven und reparativen Veränderungen: Im Faserknorpel treten chondroide metaplastische Vorgänge mit Knorpelzellregeneraten auf; gleichzeitig kann es zur Einsprossung von Granulationsgewebe von der Synovialis her kommen, und die Rißstellen können durch bindegewebiges Organisations- und Narbengewebe ersetzt werden ( Abb. 19.30
). Neben diesen Regeneraten finden sich aber auch sekundäre degenerative Veränderungen, die von der primären fettigen und mukoid-zystischen Degeneration nicht zu unterscheiden sind, so daß bei der Beurteilung von Spätschäden nach einem Unfalleinriß immer genauere Angaben über den zeitlichen Ablauf und den Unfallhergang nötig sind.
(Abbildung 30) Abb. 1 9.30 a - d Meniskusdegeneration (Meniskopathie).
a fettige Degeneration.
b Myxomatose ("mukoid - zystische Degeneration").
c Pseudozystenbildung (sog. Meniscusganglion).
d MeniscusregenerateSpätschäden bei einem Schlotterknie (pseudoprimäre Degeneration) finden sich nach Kniegelenkverletzungen, die aufgrund von Bänderrissen zu einer ausgeprägten Gelenkinstabilität geführt haben. Dadurch entwickeln sich ausgeprägte sekundäre degenerative Veränderungen, die eine erhöhte Rißgefahr des Meniscus zur Folge haben.
Da die äußeren Anteile des Meniscus von synovialen Gefäßen versorgt werden, kann auch bei allen primär entzündlich oder zirkulatorisch bedingten synovialen Erkrankungen eine Beteiligung der Menisci erfolgen. Auch bei degenerativen Gelenkveränderungen wie primären oder sekundären Arthrosen können die Menisci in den degenerativen Prozeß mit einbezogen sein (Abb. 19.24
). Wesentlich seltener als in den Menisci des Kniegelenks finden sich degenerative Veränderungen von pathogenetischer Bedeutung im Discus interarticulans des Unterkiefergelenkes.
| mailto: Thomas Fixemer 23.08.2000 |